Baupreissteigerungen – turbulente Marktsituation 2021

In den letzten Monaten war nicht nur in Auftragsverhandlungen häufiger von Baupreissteigerungen die Rede. Auch die Medien berichteten über steigende Materialpreise bei für den Bau unverzichtbaren Rohstoffen. Tatsächlich haben Baustoff- und Bauprodukthersteller ihre Preise seit Beginn des Jahres 2021 spürbar und teilweise sogar mehrfach angehoben.

Nicht alle Branchen gleichermaßen von Baupreissteigerungen betroffen

Haus im Rohbau auf einer Bauzeichnung
Baupreissteigerungen betreffen nicht alle Baustoffe gleichermaßen © Chlorophylle – stock.adobe.com

Bei der Recherche, welche Baustoffe und Branchen von diesen Preissteigerungen betroffen sind, zeichnete sich das folgende Bild ab: Prinzipiell sind in geringem Umfang alle Branchen betroffen. Preissteigerungen bei den Materialien von mindestens 3 % seit Beginn des Jahres 2021 sind allgegenwärtig. Damit stiegen die Baustoffpreise in den ersten sechs Monaten seit Jahresbeginn stärker als im Jahresmittel der vergangenen Jahre.

Einzelne Branchen sind über diese Preissteigerung hinaus noch viel stärker betroffen. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um

  • Betonkies (ca. +8 bis +10 %),
  • Kunststoffprodukte (KG-Rohre, Kunststoff-Fensterprofile; ca. +30 %,
  • energieintensive Baustoffe wie Stahl (ca. 40%), Wärmedämmstoffe, Zement und Gips sowie deren Folgeprodukte.

Der Baustoff mit den größten Preissteigerungen und insbesondere auch Lieferengpässen ist derzeit noch Holz, insbesondere Nadelholz. Beim Baustoff Holz treten die Lieferengpässe derzeit besonders deutlich zu Tage, so dass Leimholzbinder, OSB-Platten und Dachlatten zu weiten Teilen nur mit mehrwöchigen (Platten) bis mehrmonatigen (Leimholz) Bestellzeiten zu beziehen sind. Beim Holz fällt es schwer, eine allgemeine Preissteigerungsrate anzugeben, da in Folge der Verknappung nun irrationale Preise verlangt werden können. Tendenziell kann beim Baustoff Holz gegenwärtig von einer Verdopplung der Materialpreise ausgegangen werden.

In der jüngsten Vergangenheit entspannt sich die Liefersituation beim Baustoff Holz wieder partiell, gleichwohl muss hier aufgrund der sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Holzbauweise mit dauerhaft hoher Nachfrage gerechnet werden, die demzufolge auch zu einem, dauerhaft höheren Preis führen wird.

Ursachen für die Baupreissteigerungen 2021

Sicherlich interessant ist die Frage, woher diese doch relativ plötzlichen Verknappungen und Preissteigerungen kommen und wohin sie führen. Zunächst einmal haben mit Beginn der Corona-Krise viele Firmen haben Standard-Baumaterialien bestellt und gehortet, um den im Zuge der Corona-Krise erwarteten Produktionsausfällen vorzubeugen. Dadurch kam es, trotz marginal gesunkener – jedoch keinesfalls ausgeweiteter – Bautätigkeit im Hochbau, zu einer Materialknappheit. Ein weiterer Grund für Lieferengpässe und Preissteigerungen liegt tatsächlich auch darin, dass die befürchteten Produktionsengpässe partiell durch Corona-bedingte Betriebsschließungen tatsächlich eingetreten sind, was dann in der Folge zu unterbrochenen Lieferketten führte.

Uwe Morell erwartet nicht, dass Baupreise der vergangenen Monate sich wieder auf ihr ursprüngliches Niveau einpendeln. (Foto: Gregor Törzs, Berlin)

Dass die gestiegenen Preise dadurch insgesamt jedoch wieder zum Niveau von Anfang 2020 zurückkehren, steht meiner Einschätzung nach nicht zu erwarten. Einzelne Ausreißer, wie die Preise für Holz und Stahl, werden sich sicherlich wieder normalisieren. Die Preissteigerung der vergangenen Monate insgesamt wird jedoch meiner Erwartung nach nicht rückgängig gemacht werden.

Kostenfreies Update für Anwender der LV-Texte

Aus dem vorgenannten Grund haben wir uns nach reiflicher Abwägung entschlossen, die Preise der Textdatenbank „LV-Texte – Leistungspositionen mit ZTV“ an das aktuelle Preisgeschehen anzupassen und die gesamte Datenbank neu bepreist.

Je nach Materialanteil am Gesamtpreis, Materialart und Gewerk haben wir die Einheitspreise unserer Datenbank in unterschiedlicher Höhe zwischen 3% und 30% angehoben, bei einigen wenigen Einzelpositionen wie dem Betonstahl und Leimholzbindern auch um noch höhere Prozentsätze.

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An dieser Stelle sei der Hinweis gestattet, dass meiner persönlichen Erinnerung nach Baupreise niemals volatiler waren als heute und die Vorhersage eines „Marktpreises“, die in vergangenen Zeiten durchaus möglich war, gegenwärtig nahezu unmöglich ist. Das zeigt sich derzeit besonders deutlich in der großen Spanne von Angebotspreisen innerhalb einer Ausschreibung.

Autor: Uwe Morell

Weitere Infos auch in der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts.